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Ganzjahresreifen

Ganzjahresreifen ersetzen Sommer- und Winterreifen durch einen einzigen Satz, der bei Wärme, Regen und leichtem Schnee brauchbar fährt. Das spart Wechsel und Lagerplatz, kostet aber Leistung an den Rändern des Jahres. Sie lesen hier, für wen sich der Kompromiss lohnt, was der ADAC-Test 2026 zeigt und was die Rechnung über vier Jahre ergibt.

Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol auf der Flanke, aufgenommen in kühlem Licht auf leicht feuchter Straße

Was ein Ganzjahresreifen ist

Ein Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, versucht, zwei Aufgaben mit einem Gummi zu lösen. Seine Mischung liegt zwischen Sommer- und Winterreifen, das Profil trägt mehr Lamellen als beim Sommerreifen, aber weniger aggressive Blöcke als beim Winterreifen. Entscheidend ist das Alpine-Symbol auf der Flanke, der Berg mit der Schneeflocke (3PMSF). Nur Modelle, die es tragen, gelten bei Schnee und Eis als geeignet. Wie sich die drei Reifenarten im Aufbau unterscheiden, zeigt der Überblick zu Reifen.

Allwetterreifen sind dabei nicht alle gleich gebaut. Manche neigen eher zum Sommer, mit festeren Blöcken und besserem Bremsen bei Wärme, andere eher zum Winter, mit mehr Lamellen und mehr Griff auf Schnee. Das Etikett „Ganzjahresreifen“ sagt also noch nicht, auf welcher Seite des Kompromisses ein Modell steht. Das verraten erst die Tests.

Früher reichte bei vielen Modellen die Aufschrift „M+S“ (Matsch und Schnee). Das ist vorbei: Seit dem 1. Oktober 2024 zählt M+S allein nicht mehr. Wer noch einen älteren Satz mit nur dieser Kennzeichnung fährt, hat rechtlich einen Sommerreifen mit freundlichem Etikett.

„Der Ganzjahresreifen ist ein guter Allrounder, aber kein Spezialist. Wer das akzeptiert, ist meistens zufrieden. Wer alles von ihm erwartet, wird enttäuscht.“

Matthias Köhler, Kfz-Meister, Hannover

Vorteile und Nachteile von Ganzjahresreifen

Der größte Vorteil ist der Alltag: kein Termin im Frühjahr, keiner im Herbst, kein Platz im Keller. Dafür zahlen Sie mit Kompromissen an den Rändern des Jahres, bei Hitze und bei strengem Winter. Die Tabelle sortiert die Punkte, die im Alltag wirklich zählen.

AspektWertungBegründung
Wechsel und TermineVorteilentfallen, keine Wartezeit vor Ostern oder im Oktober
LagerungVorteilkein Zweitsatz, kein Keller, keine Einlagerungsgebühr
AnschaffungVorteilein Satz statt zwei, keine zusätzlichen Felgen
SchneeKompromissbrauchbar, aber hinter dem Winterreifen
Eis und strenger FrostNachteilweniger Biss, längere Bremswege
Nasse Fahrbahn im SommerNachteillängerer Bremsweg als beim Sommerreifen
Verschleiß bei HitzeNachteilweichere Mischung nutzt sich bei Wärme schneller ab
Rollwiderstand und GeräuschNachteilmeist etwas schlechter als bei guten Sommerreifen
Vorteile und Nachteile im Überblick.

Die Bilanz hängt weniger vom Reifen ab als vom Fahrer. Wer selten Schnee sieht und im Sommer nicht mit Vollgas über die Autobahn zieht, erlebt die Nachteile kaum. Wer beides tut, merkt jeden einzelnen.

Für wen Ganzjahresreifen passen

Am besten funktioniert der Allwetterreifen dort, wo das Klima mild ist und der Wagen wenig bewegt wird. Der klassische Fall ist der Stadtwagen im Flachland, der überwiegend kurze Strecken fährt und selten schnell. Dort bleibt die Jahresfahrleistung niedrig, und der Reifen wird kaum an seine Grenzen geführt. Für diese Gruppe sprechen vor allem Bequemlichkeit und Kosten:

  • Stadt- und Kurzstreckenfahrer mit wenigen tausend Kilometern im Jahr
  • Wohnorte im Flachland, an Küste oder Rhein, wo Schnee die Ausnahme ist
  • Zweitwagen und Fahrzeuge ohne hohe Motorleistung
  • Fahrer, die weder Keller noch Zeit für zwei Sätze haben

Zwei Kunden zeigen, wie weit die Erfahrungen auseinanderliegen. Eine Hannoveranerin fährt ihren Kleinwagen rund 6.000 Kilometer im Jahr, meist zur Arbeit und zum Einkaufen, und ist mit ihren Allwetterreifen nach vier Jahren noch immer zufrieden. Ein Außendienstler kam dagegen nach 18 Monaten und 50.000 Kilometern in die Werkstatt: Die Vorderreifen waren auf 3 Millimeter heruntergefahren, und im Winter hatte er sich auf Schnee nicht mehr sicher gefühlt. Derselbe Reifen, zwei völlig verschiedene Urteile.

Anders sieht es aus, sobald die Anforderungen steigen. Im Mittelgebirge, im Alpenvorland oder auf steilen Zufahrten bleibt der Winterreifen die sicherere Wahl. Auch wer viel Autobahn fährt, einen leistungsstarken Wagen bewegt oder einen Anhänger zieht, tut sich mit zwei spezialisierten Sätzen leichter. Das ist unsere ehrliche Einschätzung, auch wenn der Allwetterreifen in der Werbung gern als Universallösung auftaucht.

Ganzjahresreifen und Winterreifenpflicht

Die kurze Antwort: Mit Alpine-Symbol erfüllen Ganzjahresreifen die Winterreifenpflicht, ohne es nicht. § 2 Abs. 3a StVO verlangt bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte und Reifglätte Reifen, die nach § 36 Abs. 4 StVZO geeignet sind, und seit dem 1. Oktober 2024 gilt dafür allein das Alpine-Symbol. Fehlt es, kostet das im Ernstfall 60 Euro und einen Punkt, bei Behinderung, Gefährdung oder Unfall bis zu 120 Euro. Alle Sätze stehen in der Bußgeldtabelle bei den Winterreifen.

Verschleiß und Haltbarkeit

Diese Reifen laufen zwölf Monate im Jahr, und das in jeder Temperatur. Im Sommer ist die weichere Mischung im Nachteil, weil ein Sommerreifen mit härterer Gummimischung bei Wärme meist länger hält. Im Winter ist die Lage besser. Weil alle Kilometer auf einem einzigen Satz landen, ist er schneller abgefahren, als die Jahre vermuten lassen.

Wichtig ist eine Konsequenz, die oft übersehen wird: Wer den Reifen auch im Winter nutzt, sollte ihn bei etwa 4 mm Restprofil ersetzen, nicht erst bei den gesetzlichen 1,6 mm. Unter 4 mm lässt die Schneetauglichkeit deutlich nach. Damit bestimmt die Wintereignung die Lebensdauer, und der Reifen ist früher fällig als ein reiner Sommerreifen.

Zwei Gewohnheiten verlängern die Haltbarkeit. Erstens: den Luftdruck alle 14 Tage prüfen, denn zu wenig Druck verkürzt die Laufleistung spürbar. Zweitens: neue Reifen immer auf die Hinterachse montieren, auch wenn das Auto Frontantrieb hat, weil ein Heckausbrecher gefährlicher ist als untersteuern.

Kosten: ein Satz oder zwei Sätze

Ob sich der Ganzjahresreifen rechnet, zeigt erst ein Blick auf die Gesamtkosten. Das folgende Beispiel gilt für die Kompaktklasse in 205/55 R16 bei 12.000 Kilometern im Jahr, also 48.000 Kilometern in vier Jahren. Wir nehmen für jeden Reifensatz 40.000 Kilometer Laufleistung an. Das ist eine Annahme für die Rechnung, kein Messwert, und für einen Allwetterreifen eher großzügig. Die Zwei-Satz-Variante läuft auf eigenen Stahlfelgen.

Posten (4 Jahre)Ein Satz GanzjahresreifenZwei Sätze (Sommer und Winter)
Reifen380 € (4 × 95 €)700 € (4 × 85 € plus 4 × 90 €)
Zusätzliche Stahlfelgen0 €220 € (4 × 55 €)
Montage und Wuchten80 € (4 × 20 €)160 € (8 × 20 €)
Radwechsel0 €240 € (8 × 30 €)
Ersatzsatz nach 40.000 km460 € (380 € plus 80 €)0 €
Summe920 €1.320 €
Kostenvergleich über vier Jahre bei 48.000 Kilometern, Richtwerte 2026.

Der Unterschied beträgt 400 Euro zugunsten der Ein-Satz-Lösung. Interessant ist, woher er kommt: Auf den gefahrenen Kilometer gerechnet kosten Reifen und Montage in beiden Varianten rund 1,1 bis 1,2 Cent. Der Abstand entsteht fast ganz durch Felgen und Radwechsel. Lassen Sie die jeweils ruhenden Räder für rund 50 Euro pro Saison einlagern (üblich sind 30 bis 80 Euro), kommen in vier Jahren 200 Euro auf der Zwei-Satz-Seite hinzu.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Fahren Sie deutlich mehr als 12.000 Kilometer im Jahr, kommt der Ersatzsatz früher und die Ersparnis schrumpft. Und: Nach vier Jahren haben beide Varianten noch Restprofil, der frische Ersatzsatz der Ein-Satz-Variante ist erst zu einem Fünftel abgefahren, die beiden Sätze der Zwei-Satz-Variante zu 60 Prozent. Auch mit Restwert bleibt ein Abstand von mehreren hundert Euro.

Ganzjahresreifen-Test 2026: Kriterien und Grenzen

Der ADAC hat im Juni 2026 sechzehn Ganzjahresreifen in der Kleinwagen-Größe 185/65 R15 geprüft. Laut den Berichten zum Test erhielten acht Reifen keine Kaufempfehlung, und nur der Continental AllSeasonContact 2 schaffte die Gesamtnote „gut“ (2,3). Daran sehen Sie, wie weit die Qualität auseinanderliegt: Ganzjahresreifen sind keine Einheitsware, und ein Modell mit dem Alpine-Symbol ist noch kein gutes Modell.

Die Tester bewerten Bremsen und Handling auf trockener und nasser Fahrbahn sowie auf Schnee. Das Ergebnis ist ein Kompromiss aus Disziplinen, und genau hier liegt die Grenze eines Tests: Eine Gesamtnote kann eine Schwäche bei Nässe durch gute Schneewerte ausgleichen, obwohl Sie in Ihrer Region vielleicht nie Schnee sehen. Schauen Sie deshalb auf die Einzelnoten, die zu Ihrem Alltag passen, und auf die getestete Größe.

  • Getestete Größe: Kleinwagen-Ergebnisse lassen sich nicht auf SUV-Größen übertragen.
  • Nässe und Trockenheit: entscheidend für die Sommerhälfte des Jahres.
  • Schnee: wichtig für den Winter, wenn Sie in schneereichen Regionen wohnen.
  • Testdatum: Modelle werden aktualisiert, ältere Tests führen oft Vorgänger.

Kaufberatung

Beim Kauf zählt zuerst das Offensichtliche: die richtige Größe und der richtige Last- und Geschwindigkeitsindex laut Fahrzeugschein. Dann kommt das Alpine-Symbol, ohne das der Reifen nicht in Frage kommt. Danach lohnt der Blick in die Tests, auf das EU-Reifenlabel und auf das Herstellungsdatum. Preise, Label und Montage erklärt die Seite Reifen kaufen, und welche Marke wofür steht, zeigt der Überblick der Reifenhersteller.

Unser Rat in drei Sätzen: Greifen Sie zu einem Modell aus dem Quality- oder Premiumsegment, das im aktuellen Test ordentlich abgeschnitten hat. Sparen Sie nicht am Allwetterreifen, denn er muss im Winter wie im Sommer funktionieren. Und lassen Sie sich die DOT-Nummer zeigen, damit Sie keinen jahrelang gelagerten Satz bekommen.

Häufige Fragen zu Ganzjahresreifen

Sind Ganzjahresreifen im Winter erlaubt?

Ja, aber nur mit Alpine-Symbol (3PMSF). Seit dem 1. Oktober 2024 reicht M+S allein nicht mehr. Ganzjahresreifen mit Schneeflocke erfüllen die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO. Ohne das Symbol drohen bei Glätte 60 Euro und ein Punkt, bei einem Unfall bis zu 120 Euro.

Wann müssen Ganzjahresreifen gewechselt werden?

Gesetzlich bei 1,6 mm Profil. Fahren Sie die Reifen auch im Winter, sollten Sie sie bei etwa 4 mm ersetzen, weil die Schneetauglichkeit darunter spürbar sinkt. Zusätzlich gilt die Altersregel: ab sechs Jahren prüfen lassen, spätestens nach zehn Jahren ersetzen. Prüfen Sie das Profil am besten zum Saisonwechsel im Frühjahr und im Herbst.

Lohnen sich Ganzjahresreifen finanziell?

In unserem Beispiel mit 12.000 km im Jahr und 205/55 R16 sparen Sie über vier Jahre rund 400 Euro (920 statt 1.320 Euro). Die Ersparnis kommt fast ganz von Felgen und Radwechseln. Wer deutlich mehr fährt, braucht früher einen Ersatzsatz, dann schrumpft der Vorteil.

Sind Ganzjahresreifen schlechter als Sommerreifen?

Im Sommer meist ja: längerer Bremsweg auf nasser Fahrbahn, höherer Verschleiß bei Hitze, etwas mehr Rollwiderstand. Dafür sind sie im Winter besser als jeder Sommerreifen. Ob der Kompromiss passt, hängt von Region, Fahrleistung und Fahrzeug ab. Der ADAC-Test 2026 zeigt zudem große Unterschiede zwischen den Modellen.

Woran erkenne ich einen Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol?

Auf der Reifenflanke steht ein Piktogramm: ein Berg mit drei Gipfeln und einer Schneeflocke (3PMSF). Dazu steht meist die Aufschrift „All Season“ oder „4 Seasons“. Fehlt das Symbol und steht nur „M+S“ auf der Flanke, gilt der Reifen auf winterlichen Straßen nicht als geeignet.