Reifenwechsel oder Radwechsel: Was ist der Unterschied?
Beim Radwechsel tauschen Sie komplette Räder samt Reifen und Felge gegen den zweiten Satz aus. Beim Reifenwechsel im engeren Sinn zieht die Werkstatt den Reifen von der Felge und montiert einen anderen. Im Alltag sagen fast alle „Reifenwechsel“ und meinen das saisonale Umstecken, das sich in der eigenen Garage erledigen lässt.
Matthias Köhler, Kfz-Meister mit 20 Jahren Erfahrung in Werkstatt und Reifenhandel, kennt das Missverständnis vom Annahmetisch. „Jeden Oktober ruft jemand an und will den Reifenwechsel für 25 Euro“, sagt er. „Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass vier neue Reifen auf die alten Felgen sollen. Das ist ein völlig anderer Auftrag, mit anderer Maschine, anderer Dauer und anderem Preis.“ Wer zwei Sätze Räder besitzt, braucht nur den Radwechsel. Wer mit einem einzigen Felgensatz fährt und Sommer- und Winterreifen jedes Mal auf- und abziehen lässt, zahlt zweimal im Jahr die volle Montage und belastet Reifenwulst und Ventile doppelt.
Die Rechnung ist schnell gemacht: Montage und Wuchten von vier Reifen kosten schnell 80 bis 160 Euro, das bloße Umstecken fertiger Räder 20 bis 50 Euro. Ein zweiter Satz Stahlfelgen holt sich über die gesparte Montage meist innerhalb weniger Jahre wieder herein. Welche Reifenarten es überhaupt gibt und wie sie sich unterscheiden, erklärt der Überblick zu Reifen.
Wann Reifen wechseln: O bis O und die 7-Grad-Regel
Die Faustregel lautet „von O bis O“: von Oktober bis Ostern auf Winterreifen, danach auf Sommerreifen. Verbindlich ist das nicht. Maßgeblich ist das Wetter, denn die Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO gilt situativ, also bei Glätte, Schneematsch, Schnee, Eis- oder Reifglätte, und nicht nach Kalender.
Reifenkalender: von O bis O
Die Faustregel: Winterreifen von Oktober bis Ostern, Sommerreifen für den Rest des Jahres. Entscheidend bleibt das Wetter, nicht das Datum. Ostern fällt 2027 auf den 28. März.
- Jan
- Feb
- Mär
- Apr
- Mai
- Jun
- Jul
- Aug
- Sep
- Okt
- Nov
- Dez
WinterreifenSommerreifen
Die Marke von 7 °C hat einen physikalischen Kern: Die Gummimischung eines Sommerreifens wird unterhalb dieser Temperatur spürbar härter, ein Winterreifen mit hohem Silica-Anteil bleibt elastisch. Ein einzelner Thermometerwert um sieben Uhr morgens sagt aber wenig, wichtiger sind die Tage davor und die Vorhersage für die nächsten zwei Wochen. Wer im Harz oder im Schwarzwald wohnt, wechselt früher als jemand im Rheingraben, und im April schaut der Kälteeinbruch mit Schneematsch auch im Flachland gern noch einmal vorbei.
Rechtlich zählt seit dem 1. Oktober 2024 nur noch das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, 3PMSF). Reifen, die lediglich M+S tragen, erfüllen die Pflicht nicht mehr. Wer bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen fährt, zahlt 60 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg; bei Behinderung sind es 80 Euro, bei Gefährdung 100 Euro und bei einem Unfall 120 Euro. Alle Details zur Pflicht und zu den Ausnahmen stehen auf der Seite Winterreifen, den Weg in die andere Richtung beschreibt die Seite Sommerreifen.
Räder selbst wechseln: Anleitung in 10 Schritten
Einen Radwechsel schaffen Sie in der eigenen Garage, wenn der Untergrund fest und eben ist und Sie sich Zeit nehmen. Als Anfänger sollten Sie für vier Räder 45 bis 60 Minuten einplanen. Sie brauchen einen Wagenheber (der Bordwagenheber reicht, ein Rangierwagenheber ist bequemer), einen Radmutternschlüssel, einen Drehmomentschlüssel mit Bereich bis mindestens 200 Nm, Unterlegkeile, eine Drahtbürste und eine Warnweste. Haben Ihre Felgen Radschlösser, liegt der passende Adapter meist im Handschuhfach oder in der Reserveradmulde. Wechseln Sie immer ein Rad nach dem anderen, dann steht das Auto jederzeit auf mindestens drei Rädern. Die Schritte 1 bis 9 gelten pro Rad, Schritt 10 folgt nach der ersten Fahrt.
- Sicher abstellen: Parken Sie auf ebenem, festem Untergrund (kein Rasen, kein Kies), ziehen Sie die Handbremse, legen Sie den ersten Gang oder P ein und sichern Sie ein Rad der gegenüberliegenden Seite mit einem Unterlegkeil.
- Schrauben lösen, solange das Rad am Boden steht: Zierkappen abnehmen und jede Radschraube eine halbe bis ganze Umdrehung lösen. Noch nicht herausdrehen.
- Wagenheber ansetzen: Nur an der vom Hersteller vorgesehenen Aufnahme am Schweller ansetzen (Markierung oder Aussparung, siehe Betriebsanleitung) und anheben, bis der Reifen frei hängt. Heben Sie etwas höher, als zum Abnehmen nötig, denn das neue, voll aufgepumpte Rad baut höher als der belastete Reifen am Auto.
- Rad abnehmen: Schrauben ganz herausdrehen und das Rad dabei mit dem Knie stützen. Ein Komplettrad wiegt je nach Größe 15 bis 25 Kilogramm. Legen Sie die Schrauben nicht in den Dreck.
- Nabe reinigen und prüfen: Rost und Schmutz von Nabe und Auflagefläche mit der Drahtbürste entfernen, kurz auf Bremsscheibe, Beläge und Manschetten schauen. Gewinde nur ölen oder fetten, wenn der Hersteller es ausdrücklich vorsieht.
- Neues Rad aufsetzen: Position und Laufrichtung beachten (bei richtungsgebundenen Reifen zeigt der Pfeil mit „Rotation“ auf der Seitenwand die Drehrichtung nach vorn) und die Bohrungen auf die Nabe ausrichten.
- Schrauben von Hand eindrehen: Alle Schrauben mit der Hand ansetzen, bis sie leichtgängig sitzen, dann über Kreuz leicht anziehen. Das Rad muss plan an der Nabe anliegen.
- Fahrzeug ablassen: Wagenheber entspannen, bis der Reifen auf dem Boden steht, und den Heber herausnehmen.
- Mit Drehmoment festziehen: Mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz auf den Sollwert aus der Betriebsanleitung anziehen, meist 110 bis 140 Nm, je nach Hersteller und Schraubentyp.
- Nachziehen: Nach 50 bis 100 Kilometern alle Schrauben erneut mit dem Drehmomentschlüssel prüfen, dabei den Reifendruck kontrollieren und bei Fahrzeugen mit RDKS das System zurücksetzen oder anlernen.
Der Sollwert ist keine Empfehlung, sondern eine Grenze nach beiden Seiten. Zu locker, und das Rad kann sich lösen. Zu fest, und Bolzen, Gewinde oder die Sitzfläche einer Alufelge nehmen Schaden. Den Wert finden Sie in der Betriebsanleitung, bei vielen Modellen liegt er zwischen 110 und 140 Nm.
„Ein Schlagschrauber gehört zum Lösen in die Hand, zum Festziehen in die Werkzeugkiste. Ich habe schon Radbolzen gesehen, die mit weit über 200 Nm festgeknallt waren, und Alufelgen mit ausgerissenen Sitzflächen.“
Was der Reifenwechsel kostet: Preise 2026
In der freien Werkstatt zahlen Sie für das Umstecken von vier fertigen Rädern meist 20 bis 50 Euro. Kommt die Montage neuer Reifen hinzu, rechnen Sie mit 15 bis 30 Euro pro Reifen plus Wuchten. Dazu können RDKS-Anlernen und die Einlagerung der Räder kommen. Die Tabelle nennt Richtwerte mit Stand Oktober 2026, sie schwanken nach Region und Betrieb.
| Leistung | Richtwert 2026 | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| Radwechsel (vier fertige Räder) | 20 bis 50 Euro pro Fahrzeug | Heben, Abnehmen, Aufsetzen, Anziehen mit Drehmomentschlüssel |
| Montage neuer Reifen | 15 bis 30 Euro pro Reifen | Abziehen, Aufziehen, Ventil prüfen; ab 18 Zoll und bei Runflat oft teurer |
| Wuchten | 5 bis 10 Euro pro Rad | Bei neuer Montage meist üblich, beim bloßen Umstecken nur bei Vibrationen |
| RDKS anlernen | 20 bis 50 Euro pro Fahrzeug | Nur bei direktem System und nach Sensortausch oder anderem Radsatz |
| RDKS-Sensor ersetzen | 30 bis 80 Euro pro Sensor | Materialpreis, Einbau extra; die fest verbaute Batterie hält oft fünf bis sieben Jahre |
| Einlagerung pro Saison | 30 bis 80 Euro pro Radsatz | Klären, ob der Preis pro Rad oder pro Satz gilt und ob Waschen und Prüfung enthalten sind |
| Altreifen entsorgen | beim Neukauf meist inklusive, sonst 3 bis 15 Euro pro Reifen | Gebühren der Wertstoffhöfe sind örtlich verschieden |
Zwei Dinge treiben den Preis. Erstens die Zollgröße: Ab 18 Zoll und bei Reifen mit niedrigem Querschnitt verlangen viele Werkstätten Aufschläge, weil Montage und Wuchten aufwendiger sind. Zweitens der Standort: In Großstädten und bei Vertragswerkstätten liegen die Preise oft am oberen Ende der Spannen. Für eine Familie mit Kompaktwagen auf 16 Zoll, zwei Radsätzen und Einlagerung ergibt sich eine einfache Jahresrechnung: zweimal Radwechsel zu je 35 Euro plus 50 Euro Einlagerung, also etwa 120 Euro.
Reifen einlagern: So überstehen die Räder die Pause
Der Satz, der gerade nicht am Auto ist, altert im Keller weiter, und zwar umso schneller, je wärmer, heller und feuchter es dort ist. Wer die Räder neben dem Heizöltank oder in der Garagensonne parkt, verkürzt ihre Lebensdauer. Messen Sie vor dem Einlagern die Profiltiefe (die Grenzwerte erklärt die Seite Profiltiefe) und notieren Sie den Wert, dann sehen Sie im nächsten Herbst sofort, wie viel Profil der Satz in der Saison verloren hat. Fünf Regeln genügen:
- Position markieren: VL, VR, HL, HR mit Kreide oder Klebeband auf der Lauffläche notieren, damit jedes Rad wieder auf seine Position und Seite kommt.
- Sauber einlagern: Steinchen aus dem Profil entfernen, groben Schmutz abspülen, Reifen trocknen lassen.
- Kompletträder liegend oder hängend: Reifen auf Felgen gestapelt oder an einem Felgenhalter aufhängen, den Luftdruck um etwa 0,5 bar erhöhen.
- Reifen ohne Felge stehend: aufrecht nebeneinander, hin und wieder ein Stück weiterdrehen, nicht stapeln.
- Kühl, trocken, dunkel: Fern von Öl, Benzin, Lösungsmitteln und Elektromotoren, die Ozon erzeugen.
Im Frühjahr oder Herbst senken Sie den Druck vor der ersten Fahrt wieder auf den Wert aus der Tankklappe oder dem Türrahmen. Richtwerte für verschiedene Fahrzeugklassen stehen unter Reifendruck. Wer keinen Platz hat, gibt die Räder in die Einlagerung; wer lieber selbst lagert, spart die 30 bis 80 Euro pro Saison.
Reifen achsweise tauschen: neue Reifen nach hinten
Müssen nur zwei Reifen ersetzt werden, gehören die neuen immer auf die Hinterachse, ganz gleich, ob Ihr Auto Front- oder Heckantrieb hat. Der Grund ist die Fahrstabilität: Verliert die Hinterachse in einer nassen Kurve oder bei einem Ausweichmanöver zuerst die Haftung, bricht das Heck aus, und das beherrschen die wenigsten Fahrer. Schiebt dagegen die Vorderachse, geht das Auto geradeaus weiter und lässt sich durch Gaswegnehmen meist wieder einfangen.
Ersetzen Sie Reifen immer paarweise je Achse, nach Möglichkeit mit gleichem Modell und ähnlichem Profil. Beim Umsetzen zwischen den Achsen ist Vorsicht geboten: Es geht nur bei gleichen Dimensionen, richtungsgebundene Reifen wandern nur auf derselben Seite von vorn nach hinten, und die Reifen mit dem meisten Profil sitzen am Ende immer hinten.
Checkliste für den Reifenwechsel
Ob Sie selbst wechseln oder einen Werkstatttermin haben: Diese sechs Punkte haken Sie vorher und nachher ab. Sie kosten keine zehn Minuten und ersparen Ihnen vergessene Radschlüssel, falsch herum aufgesetzte Räder und lockere Schrauben.
- Profiltiefe an allen vier Reifen messen (gesetzlich 1,6 mm, empfohlen 3 mm im Sommer und 4 mm im Winter)
- DOT-Datum lesen: ab sechs Jahren prüfen lassen, spätestens nach zehn Jahren ersetzen
- Räder markieren und die Laufrichtung beachten
- Radschlüssel und Radschloss-Adapter bereitlegen, Drehmoment aus der Betriebsanleitung heraussuchen
- Luftdruck an der Tankklappe ablesen und einstellen, RDKS zurücksetzen oder anlernen lassen
- Nach 50 bis 100 Kilometern die Radschrauben nachziehen
Häufige Fragen zum Reifenwechsel
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Reifenwechsel?
Als Richtwert gilt O bis O: im Oktober auf Winterreifen, nach Ostern auf Sommerreifen. Genauer ist der Blick auf die Temperatur: Wechseln Sie auf Winterreifen, wenn die Tage dauerhaft unter etwa 7 °C liegen, und zurück, wenn die Werte stabil darüber bleiben. Gesetzlich zählen die Wetterverhältnisse, nicht das Datum.
Wie lange dauert ein Reifenwechsel in der Werkstatt?
Das Umstecken fertig montierter Räder dauert mit Termin meist 30 bis 60 Minuten. Müssen neue Reifen auf die Felgen gezogen und gewuchtet werden, kommt etwa eine halbe Stunde dazu. In der Hauptsaison im Oktober und nach Ostern kann die Wartezeit auf einen Termin länger sein als die Arbeit selbst.
Muss ich die Radschrauben nach dem Wechsel nachziehen?
Ja. Prüfen Sie nach 50 bis 100 Kilometern mit dem Drehmomentschlüssel, ob alle Radschrauben noch den Sollwert haben, meist 110 bis 140 Nm laut Betriebsanleitung. Beim Fahren setzt sich die Auflagefläche, die Vorspannung kann nachlassen. Gute Werkstätten weisen Sie ausdrücklich auf das Nachziehen hin.
Kann ich Reifen selbst auf die Felge ziehen?
Das Umstecken kompletter Räder können Sie selbst übernehmen. Reifen von der Felge zu ziehen und neue aufzuziehen überlassen Sie besser der Werkstatt: Dafür braucht es eine Montiermaschine, damit Wulst und Felgenhorn heil bleiben, und eine Wuchtmaschine, damit das Rad bei Tempo 130 nicht vibriert.
Was kostet der Reifenwechsel im Jahr?
Für zweimal Radwechsel in der Werkstatt rechnen Sie mit 40 bis 100 Euro, mit Einlagerung kommen 30 bis 80 Euro dazu. Lassen Sie jedes Mal Reifen von der Felge ziehen, zahlen Sie für Montage und Wuchten von vier Reifen etwa 80 bis 160 Euro pro Wechsel. Selbst gewechselt kostet der Radwechsel nur Ihre Zeit.
